Newsletter 02 - Februar 2007
Inhalt:
Modell Schule:
- Ende 2006
- Ein neues Gesicht
- Porträts
- Neuigkeiten und Projekte
Dorfschulen:
- Lehrerfortbildung
- Verwirrung
in den Dorfschulen
Die Farm: Auf dem Weg zu
einem Traum
Modell Schule
Ende 2006
Das Jahr 2006 endete sehr harmonisch. Kerzen, selbstgebastelte
Dekoration und der süße Geruch von Gebäck schufen eine
warme, gemütliche Atmosphäre, die noch bereichert wurde von
den Weihnachtsliedern, die zwei unserer Freiwilligen auf der Flöte
spielten.
Am Weihnachtsabend feierten wir außerdem den Geburtstag von
Maheswari (siehe Porträt). Da die meisten Eltern unserer Kinder
einfache Bauern sind, die nicht lesen oder schreiben können, also
weder unsere Schüler noch unsere Lehrerinnen ihren Geburtstag
kennen, haben wir angefangen für die Schule einen eigenen
Geburtstagskalender zu erstellen – und begannen ihn mit der ersten
Feier am Weihnachtsabend. Wir legten diese beiden Feiern zusammen, um
dem Weihnachtsfest nicht mehr Bedeutung als den Stammes- oder den
Hindufesten zu geben.
Nach einem Weihnachtsabend begleitet von traditionellen Tänzen
gingen die Kinder am nächsten morgen zurück in ihre
Dörfer, um das Erntefest zu feiern und einen Monat mit ihren
Familien zu verbringen.
Ein neues Gesicht
Im November letzten Jahres kam eine neue Freiwillige zu uns.
Kristina ist eine erfahrene Waldorflehrerin und eine Inspiration
für
unsere jüngeren Mitarbeiter. Sie nimmt ein Sabbatjahr an ihrer
deutschen Waldorfschule, „nicht nur um zu reisen, sondern auch um in
einem sozialen Projekt mit zu arbeiten“, sagt sie – und wird bis April
bleiben.
In ihren wöchentlichen Trainingssstunden stellt sie
Waldorfmethoden
vor. Nicht nur unsere Mitarbeiter profitieren davon, sondern sogar
Lehrer der Jasver Schule hier in Vishakhapatnam nehmen teil, weil auch
sie einige Waldorfelemente übernehmen möchten, um ihren
Schülern eine
kreativere Ausbildung zu ermöglichen. Unseren Lehrerinnen bringt
Kristina außerdem noch regelmäßig Englisch bei, damit
sie ihre
Sprachkenntnisse verbessern.
Porträts
Prashant: Ein
7-jähriger Junge
vom Valmiki-Stamm. Er ist sehr lebendig und ein begeisterter
Tänzer und
Sänger. Jeder liebt seine Scherze und Späße. Er kommt
aus einer Familie
mit vier Kindern. Sein Vater ist ein Aktivist in der lokalen
Organisation „Adivasi Mitra“ und hilft der Gemeinschaft in
Entwicklungsfragen und ihrem Kampf gegen die Ausbeutung durch
Händler,
Geldverleiher und Bergbauunternehmen. Das Familieneinkommen liegt bei
nur 15.000 Rupien (340 US$) jährlich.
Maheswari: Ein
9-jähriges Mädchen mit weicher Stimme aus dem Dorf
Kamay-yapeta. Nachdem sie als Kind beide Eltern verloren hatte, wurde
sie von ihrer Dorfgemeinschaft aufgezogen. Sie kam krank und sehr
unterernährt zu uns und hatte nie zuvor eine Schule besucht.
Zuerst war es für sie nicht leicht, im Unterricht mit den anderen
Schritt zu halten, doch inzwischen, nach fast zwei Jahren, hat sie sich
sehr gut eingelebt und scheint sich wohl zu fühlen. Wir konnten
ihr ein neues Heim geben und Freude in ihr zartes Gesicht bringen.
Neuigkeiten und Projekte
Wer uns letzte Woche besucht hätte, wäre wahrscheinlich
einigen Schweinen, Papageien und anderen Tieren über den Weg
gelaufen. Aber keine Angst: Das waren nur Kinder der 5. Klasse, die
ihre selbstgemachten Pappmaché-Masken trugen...
Zur Zeit sind die Kinder sehr mit dem Basteln vieler anderer
Kleinigkeiten beschäftigt, da der jährliche Schulbasar
näher rückt. (27. März).
Während die 5. Klasse mit ihren Masken beschäftigt war,
bauten die Kinder der 2. Klasse kleine Lehmhäuschen mit Öfen.
In ihnen kochten sie sogar richtige Mahlzeiten mit winzigen Zutaten!
Wo wir gerade über das Kochen sprechen, müssen wir auch
erwähnen, daß wir inzwischen den ersten Reis aus unserem
Solarofen probieren konnten.
In ihren Geographie-Epochen lernen die Balamitra-Schüler der 2.
und 5. Klasse im Moment etwas über ihre eigene Identität
kennen. Während sich die 2. Klasse mit den verschiedenen
traditionellen Feste beschäftigt, lernt die 5. Klasse etwas
über Stammesvölker (tribes) aus ganz Indien. Eine der Ideen
die dabei im Unterricht entstanden war, eine Beschwerde an den
indischen Präsidenten zu schreiben, da sich die Kinder mehr und
mehr der Probleme bewusst werden, vor denen sie als indigene
Bevölkerung stehen werden – nicht nur in Andhra Pradesh, sondern
auch in anderen Teilen Indiens.
Ein weiterer Höhepunkt für die Kinder war die Aufnahme ihrer
traditionellen Lieder. Mitarbeiter von ,,All India Radio“ besuchten
unsere Balamitra-Modellschule zweimal, um sie aufzunehmen. Die Kinde
waren sehr überrascht aber auch stolz, als sie ihre eigenen
Stimmen im Radio hören konnten.
Dorfschulen
Lehrerfortbildung
Zum Jahresende gab es zwei Lehrerfortbildungen, nicht an der
Modellschule wie beim letzten Mal, sondern in einigen der Dörfer,
in denen es Balamitra-Schulen gibt. Lehrer der benachbarten Dörfer
kamen in kleinen Gruppen zusammen und tauschten sich über neue
Methoden und gemachte Erfahrungen aus. Die Treffen wurden von zwei
Lehrerinnen der Modellschule und von der Balamitra-Koordinatorin
geleitet. Weil die Mehrzahl der Kinder in den Dörfern 5-7 Jahre
alt ist, konzentrierten sich die neuen Methoden auf dieses Alter.
In einigen anderen Dörfern konnten Kinder und Eltern mit Hilfe von
AID neue Hütten fertig stellen. Bis dahin hatten wir für die
dortigen Klassen nur Baumwipfel als Schutz.
Verwirrung in den Dorfschulen
Verwirrung in den Dörfern löste die Regierung von Andhra
Pradesh aus, die kürzlich einige der Balamitra-Schulen zu
Staatsschulen erklärte. Dies änderte zunächst nichts an
der Realität. Die versprochenen Lehrer kamen nicht, so daß
die Schulen weiterhin auf die reine Hilfe von Unterstützern
angewiesen waren. Eine schwierige Situation, vor allem weil ein
größerer Träger von Balamitra seine Hilfe Ende
April beenden wird.
Die Regierung versagte ebenso in der Unterstützung unserer Kinder
im Rahmen des „Mittagsmahl-Programms“, das die Weltbank initiierte, um
benachteiligten Kindern eine richtige Ernährung zu sichern. Alle
unsere Schulen fallen ins „Handlungsgebiet“ des Programms, doch
irgendwo ist die Versorgungskette unterbrochen, und bis jetzt wurde
keine unserer Schulen von irgendwelchen Lebensmitteln erreicht.
Die Regierung betont, Grundschul-Ausbildung sei ein fundamentales Recht
für jedes Kind, aber sie läßt ihren Worten keine Taten
folgen. Vielmehr hat sie ganz im Gegensatz dazu gerade erklärt,
daß sie alle ihre Schulen mit weniger als 20 Kindern
schließen wird. Das bedeutet zweierlei: Die Nachfrage nach
unseren Schulen wird steigen, und die staatliche Unterstützung –
die ironischerweise ohnehin nur auf dem Papier steht – wird für
die meisten kleinen Dörfer gestrichen, da nur sehr weniger mehr
als 20 Kinder haben.
Die Farm: Auf dem Weg zu einem Traum
Es war der erste Schritt auf dem Weg zu einem Traum vieler unserer
Mitarbeiter, als wir im August 2003 ein Stück Land in den
unberührten Waldflächen bei Visakhapatnam erwerben konnten.
Nun beginnt der Traum allmählich eine klarerer Gestalt anzunehmen:
„Die Vision ist, alle Abteilungen von Samata an einem Ort zu haben –
die Büros, die Unterbringung für die Mitarbeiter, ihre
Familien, Freunde, Freiwilligen und die Balamitra-Modellschule“, sagt
Ravi Rebbapragada, der Geschäftsführer von Samata.
Für die Balamitra-Kinder würde das bedeuten, daß sie in
einer wunderbaren, natürlichen Umgebung lernen können, mit
größeren Klassenräumen und häufigem Unterricht in
der Natur. Sie könnten auch einige neue Klassenkameraden bekommen,
da man in neuen Räumen mehr Kinder aufnehmen kann.
Wir hoffen, daß Ende 2007 der Grundstein für dieses neue
Zentrum gelegt werden kann, aber unser Tempo hängt von der
Großzügigkeit unserer Unterstützer ab.
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Heiliganbend in der Modell
Schule
Kristina weiht unseren
neuen Kühlschrank ein, ein Geschenk der
Waldorfschulen aus Deutschland
Lehrerfortbildung in einem
der Dörfer
Ein Vorläufiges
Gebäude auf dem
Gelände der Farm
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